Rund 540 Mädchen aus dem Bezirk Weiz tauschten gestern die Schulbank gegen den Arbeitsplatz von Mama, Papa, eines Verwandten oder Bekannten. Hintergrund war der Töchtertag, der vom Verein Mafalda organisiert wurde.

Dieser beschäftigt sich in erster Linie damit, Mädchen für nicht frauenspezifische Berufe zu interessieren. Soll heißen: für Berufe vorwiegend im handwerklich-technischen Bereich.

Denn noch immer wollen fast 70 Prozent der Mädchen als Friseuse oder Verkäuferin, im Büro oder im Gastgewerbe arbeiten. Und das, obwohl die Jobs in handwerklich-technischen Bereichen weit besser bezahlt sind. „Wenn die Reformen so weitergehen, braucht es noch 375 Jahre bis zur Gleichberechtigung von Mann und Frau“, sagt Tina Eberhard vom Verein Mafalda.

Gestern jedenfalls waren weit mehr als die Hälfte der „Töchter“ mit Vätern oder männlichen Bekannten unterwegs. „Die Mädchen sind sehr engagiert“, erzählt Walter Schottmeier, Bildungsberater an der Sonnenhauptschule Gleisdorf. „Manche haben um 4 Uhr früh zu arbeiten begonnen, andere kommen erst um 21 Uhr nach Hause.“

Neben der Sonnenhauptschule, die geschlossen am Töchtertag mitmachte, nahmen klassenweise Kinder der Hauptschulen (HS) Anger, Birkfeld (HS I), Gleisdorf (HS II), Markt Hartmannsdorf, Passail (HS II), Pischelsdorf, Sinabelkirchen, Strallegg, St. Margarethen. St. Ruprecht, Weiz (HS II und III) und Puch bei Weiz teil.

Mädchen, die ihre Eltern nicht begleiten konnten, durften am Gleisdorfer Hauptplatz bei einer Technikrallye schnuppern, wie die Technik so schmeckt.

Und die Buben? Sie wurden in anderen Klassen unterrichtet oder machten eine Projektarbeit, etwa zum Thema Rollenfixierung. Gerhard Muhr, Direktor der Sonnenhauptschule, wünscht sich auch für Buben mehr: „Sie sollten für frauenspezifische Berufe sensibilisiert werden.“

Wie schwer es ist, Mädchen als Lehrlinge zu bekommen, davon weiß Wolfgang Raminger, Ausbildungsleiter der Magna Systemtechnik, ein Lied zu singen. Nur zehn von 200 Bewerbern waren heuer Mädchen, zwei davon wurden aufgenommen. „Es zeigt sich, dass Mädchen meist zu den besseren Lehrlingen gehören.“

Dass Mädchen am Fachkräftemarkt in Zukunft gebraucht werden, weiß Andreas Schlemmer von der Wirtschaftskammer. Grund sind die gesunkenen Geburtenzahlen und die Tendenz, höhere Schulen zu besuchen.

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