Warum ein TöchterTag?


Die meisten Mädchen berücksichtigen bei ihrer Berufswahl nur wenige Berufe. So gibt es in Österreich über 300 verschiedene Lehrberufe, aber 69,9% der weiblichen Lehrlinge konzentrieren sich auf nur 10 davon. (Quelle: WKO Österreich, 2009)

Das ist schade, unter anderem auch deshalb, weil nach wie vor jene Berufe, in denen vorwiegend Mädchen/Frauen arbeiten, viel schlechter bezahlt sind als handwerklich-technische Berufe.

Dazu zwei Beispiele:
Eine Maschinenbautechnikerin (Metall- und Elektrogewerbe) im dritten Lehrjahr verdient bereits um 38% mehr (874 €) als eine Friseurin im dritten Lehrjahr (629 €).

Eine Anlagenelektrikerin verdient im 4. Lehrjahr mindestens 1.175 Euro, eine Restaurantfachfrau nur 771 Euro. €). (Quelle: Arbeitsmarktservice Österreich).

Informationen zur Lehrlingsentschädigung finden Sie hier.

Der Verein MAFALDA will mit dem TöchterTag

  • Mädchen motivieren, auch andere Berufe in ihren Überlegungen zu berücksichtigen
  • Eltern die Möglichkeit geben, sich aktiv am Berufsorientierungsprozess ihrer Töchter zu beteiligen und einen außergewöhnlichen Tag mit ihrer Tochter zu verbringen
  • Betriebe anregen, Mädchen auch in technischen Berufsfeldern als zukünftige Mitarbeiterinnen wahrzunehmen
  • Die Öffentlichkeit dafür sensibilisieren, dass die Berufswahl noch immer viel zu oft vom Geschlecht als von individuellen Interessen beeinflusst ist


Was können wir tun, wenn kein Familienmitglied in einem handwerklich-technischen Beruf tätig ist, bzw. die Firma die Mitnahme der Tochter nicht erlaubt?


Da gibt es zwei Möglichkeiten:

Erstens: Sie schauen, ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt, dass Ihre Tochter einen handwerklich-technischen Arbeitsplatz kennen lernt. Z.B. indem sie mit dem Elternteil einer Freundin mitgeht.

Zweitens: Sie begleitet eine nahestehende Person an einen anderen Arbeitsplatz. Wichtig ist, dass Ihre Tochter einen praxisnahen Einblick in die Arbeitswelt bekommt und sie Vertrauen zur Begleitperson hat.



Wie sind die teilnehmenden Mädchen versichert?


Von Seiten des Landesschulrats wird der TöchterTag zur schulbezogenen Veranstaltung erklärt, das heißt, alle teilnehmenden Mädchen sind vom Unterricht befreit und versichert. Zusätzlich schließt MAFALDA für alle angemeldeten Mädchen eine Unfallversicherung ab. Um eine Versicherung abschließen zu können, müssen wir den Namen und das Geburtsdatum der Mädchen bekannt geben. Daher ist es ganz wichtig, dass Sie Ihre Tochter entweder über die Schule oder direkt bei uns anmelden.



Wir haben bereits bei einem TöchterTag mitgemacht. Können wir nochmals teilnehmen?


Natürlich! Mädchen können zweimal und öfter am TöchterTag teilnehmen. Dabei ist es möglich, eine andere Person zu begleiten. Oder sie gehen mit derselben Begleitperson ein weiteres Mal mit. Beide Varianten ermöglichen den Mädchen, Erfahrungen zu sammeln.



Bekommt meine Tochter eine Freistellung vom Unterricht?


Diese Entscheidung trifft die jeweilige Schule.



Wird mein Betrieb einen TöchterTag überhaupt erlauben?


Im vergangenen Jahr haben über 1.100 Betriebe Mädchen zu Besuch gehabt.

96,8% der Unternehmen beurteilten das Projekt TöchterTag mit „sehr gut“ oder „gut“. Denn auch die Unternehmen profitieren vom TöchterTag:

punkt"Es ist sicherlich wertvoll für das Mädchen einen Blick in den Arbeitsalltag der Eltern zu werfen, vor allem auch wegen der zukünftigen Entwicklung in Sachen Berufs- oder Schulwahl."

punkt"Es soll ihnen zeigen, dass ein handwerklich-technischer Beruf alle Wege nach oben offen lässt: Vom Arbeiten, Facharbeiten bis hin zur Selbstständigkeit."

punkt"Weil in Zukunft Bedarf an hochqualifizierten Mitarbeiterinnen sein wird."

punkt"Es kam viel Leben ins Haus mit den Mädchen. Ihre Begeisterung hat allen gut getan."

Natürlich gibt es auch Unternehmen, die sich z.B. aufgrund von strengen Sicherheitsauflagen nicht beteiligen (können). Da findet sich aber sicher eine Möglichkeit, dass Ihre Tochter ein anderes Unternehmen kennen lernt.



Findet meine Tochter einen solchen Tag nicht langweilig?


Ganz im Gegenteil! Die meisten Mädchen fanden den TöchterTag einfach super. Und 95,6% würden ihrer besten Freundin die Teilnahme am TöchterTag empfehlen.



Dürfen Mädchen unter 15 überhaupt schon arbeiten?


Selbstverständlich nicht! Daher ist es nicht erlaubt, dass das Gastunternehmen den Mädchen Arbeitsaufträge erteilt.

Beim TöchterTag haben die Mädchen die Möglichkeit, ihre Kenntnisse in Bezug auf Berufe zu erweitern, indem sie den Arbeitsplatz eines Elternteils näher kennen lernen und so einen ersten Einblick in die Arbeitswelt bekommen.



Warum scheint das Interesse von Mädchen an technischen Ausbildungen so gering?


Eine Studie aus dem Jahr 2002 (L&R Sozialforschung „Berufsorientierung und –einstieg von Mädchen in einen geteilten Arbeitsmarkt“) belegt, dass Mädchen und Burschen auf die Frage nach dem Traumberuf in der Kindheit beinahe gleich viele Berufe angaben und bei den Mädchen immerhin 31% der Nennungen nicht-traditionelle Berufe betrafen. Bei der Frage nach dem konkreten angestrebten Beruf nach der Pflichtschule nannten jedoch nur mehr 7% der Mädchen einen nicht-traditionellen Beruf.

So weisen Mädchen in ihrer Kindheit eine ähnliche Bandbreite an Wunschberufen auf wie Burschen. Je näher die tatsächliche Berufswahl heranrückt, um so mehr schränken sich die Berufsvorstellungen der Mädchen ein.

Was also passiert bei den Mädchen, dass sich ihr anfangs breites Spektrum an Berufsideen derart drastisch einschränkt?

  1. Fehlende Förderung: Mädchen werden von klein auf kaum zum spielerischen Umgang mit Technik ermutigt. Problematisch erscheint auch, dass das Fach Werkerziehung in vielen Fällen noch immer geteilt in „technisches“ und „textiles“ Werken angeboten wird. Obwohl hier prinzipiell eine Wahlmöglichkeit besteht, entscheidet sich der Großteil der Mädchen für textiles Werken, bzw. teilen die Schulen die Mädchen automatisch für textiles Werken ein. Hier wird eine wichtige Möglichkeit ungenutzt gelassen, um zu einer Veränderung der bestehenden Geschlechterrollen beizutragen und Mädchen zu handwerklichen Tätigkeiten zu ermutigen bzw. ihnen Freiräume anzubieten, in denen sie diese ausprobieren und ihre Fertigkeiten testen können.
  2. Fehlende Vorbilder: Die wenigsten Mädchen kennen weibliche Vorbilder in männerdominierten Berufen. Zudem überwiegen in den Medien (Film, Fernsehen, Zeitungen, Zeitschriften, Schulbücher) geschlechtsstereotype Darstellungen von Frauen und Männern. So erscheint es auch kaum verwunderlich, dass sich Mädchen mit zunehmendem Alter immer weniger als technikbegabt bezeichnen, obgleich keine einzige bisherige Studie belegt, dass dies auf kognitive Unterschiede zwischen Mädchen und Burschen zurückzuführen ist.
  3. Fehlende Information: Sowohl innerhalb der Familie als auch in der Schule und über die Öffentlichkeit werden Mädchen hauptsächlich über traditionell weibliche Berufe informiert.
  4. Zeitpunkt der Entscheidung: Jugendliche müssen zu einem für sie sehr schwierigen Zeitpunkt – nämlich während der Pubertät – Entscheidungen über ihre weitere Ausbildung treffen. Gerade für Mädchen ist es zu diesem Zeitpunkt wichtig, als Frau wahrgenommen zu werden. Die Entscheidung für oder gegen einen Beruf wird folglich von der Orientierung an gängigen weiblichen und männlichen Berufsvorstellungen beeinflusst. Gerade im Alter zwischen 13 und 15 Jahren kann es bei Mädchen zu einer Überbetonung von weiblichen Verhaltensmustern kommen, während „männliche Eigenschaften“ eher abgelehnt werden. Daraus kann eben auch resultieren, dass eine Vielzahl an Möglichkeiten für die eigene Berufswahl nicht berücksichtigt wird, da diese als „männlich“ abgestempelt werden.


eva.nagele@mafalda.at            christina.pernsteiner@mafalda.at